Ersetzt KI die Eventmanager von morgen?

Dr. Michael Liebmann, Gründer der doo GmbH in München, wagt in unserem Interview einen Blick in die Zukunft

Dr. Michael Liebmann gründete die doo GmbH in München. Seine Mission ist die Weiterentwicklung der Eventindustrie durch Automatisierung und Personalisierung. In unserem Interview wagt er einen Blick in die Zukunft…Ersetzt künstliche Intelligenz die Eventmanager von morgen? 

Promoviert als Ingenieur für Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning wollte Dr. Michael Liebmann den Eventmarkt und die Digitalisierung zusammenbringen und gründete er mit einem Kollegen die Event-Automatisierungsplattform doo. Auf der 3. Sicherheitskonferenz am 13. November und hier erzählt er, wie KI die ganze Event-Branche stark verändern wird. 

Herr Dr. Liebmann, wie kamen Sie als Ingenieur dazu die Event-Automatisierungsplattform doo in München zu gründen? Was war Ihre Motivation? 

Mein Mitgründer, Christoph Sedlmeir, und ich hatten zuvor bei der Unternehmensberatung Bain & Company gearbeitet und dort viele Veranstaltungen (intern und extern) mitbegleitet. Weder waren Prozesse digital bzw. automatisiert, noch gab es gute Reportings und Erfolgs-Controlling. Nach meiner Promotion im Bereich Künstliche Intelligenz war uns klar, dass wir all die Dinge, die es im Digitalmarketing bereits gab, also Automatisierung einzelner Prozesse, digitale Teilnehmerexperience und intelligente Personalisierung auf eine Event-Plattform bringen wollten. Und so haben wir doo gegründet. Heute sind wir knapp 60 Personen mit Kunden aus DAX, MDAX und den größten deutschen Messegesellschaften und haben beinahe 10 Millionen EUR in unser Produkt investiert. 

Künstliche Intelligenz, genauer Automatisierung und Personalisierung, soll die Eventsicherheit verbessern. Können Sie in kurzen Sätzen grob umreißen, wie das geht? 

KI wird die ganze Event-Branche stark verändern, das betrifft auch die Eventsicherheit. Einerseits werden wir durch mehr Integration Daten zwischen heute getrennten Prozessen automatisch laufen lassen, z.B. Bewegungsprofile und Einlass/Akkreditierung. Andererseits werden wir viel genauer wissen, wer zu unseren Events kommt. Damit können wir nicht nur Events- und Teilnehmpfade und somit Sicherheitskonzepte genauer zuschneiden, sondern auch Sicherheitsrisiken direkt sichtbar machen. Beide Effekte, Automatisierung und Personalisierung werden einen großen Unterschied machen. 

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft der Eventsicherheit werfen sollten: Wie kann künstliche Intelligenz in Zukunft die Veranstaltungssicherheit verbessern? Ist sie zuverlässiger und effektiver für die Sicherheit als die Menschen? 

Zuverlässig sind automatische Prozesse, wie z.B. KI, heute nur dann, wenn sie genau auf den Anwendungsfall angepasst sind. Sie sind also meist unflexibel. Daher dienen die meisten Technologien heute dem Sichtbarmachen von Risiken, automatisieren aber keine Prozesse und sind daher weit weg von unserer eigentlichen Vorstellung von KI. In Zukunft gibt es zwei Effekte: Die Technologien werden deutlich günstiger und mit mehr Anwendung (weil günstiger) werden sie auch mehr Optimierung erhalten. Außerdem verbessern sich die Algorithmen, so dass Maschinen - teilweise auch schon heute - besser lernen können, um flexibler auf spezifische Umstände reagieren zu können. Daher wird sich die Verlässlichkeit deutlich steigern. Richtig effektiv werden die Technologien aber erst, wenn sie uns auch echt Arbeit abnehmen und kostengünstig sind. Das wird noch sehr lange dauern. 

Und noch aus dem Blickwinkel eines Eventmanagers gefragt: Bei welchen Dienstleistungen kann mir Automatisierung konkret meine Arbeit erleichtern? Welche Vorleistungen muss ich bringen, damit das funktioniert? 

Es gibt immer mehr Event-Angebot, aber nicht mehr Event Teilnehmer. D.h. die Konkurrenz um wertvolle Teilnehmer (gerade bei externen Events) ist brutal geworden. D.h. die Rolle des Eventplaners verändert sich gerade: Während es früher hauptsächlich um logistische Herausforderungen ging, ist heute der Veranstaltungserfolg hinzugekommen. Letztlich ist es so: Nur wenn ich meine Teilnehmer wirklich verstehe, kann ich sie begeistern (und wiedergewinnen). Hier kommen Daten zum Teilnehmerverhalten ins Spiel. All diese Daten gibt es heute schon: Webseiten- und Appverhalten, Einladungsreaktionen, Anmeldedaten und Interessen, Teilnehmerherkunft, Vorortverhalten, etc. Sie schlummern nur in unzähligen Excel-Dateien. Durch Automatisierung und Integration können wir nicht nur diese Daten zentral sammeln, sondern auch direkt zwischen den Applikationen hin- und hersenden. Dadurch können wir z.B. Einladungen und Werbung ganz gezielt auf den Interessengebieten ausspielen, die unsere Zielteilnehmer ansprechen. Wenn wir dies bei unseren Kunden tun, sind sie immer überascht, wie deutlich man die Anzahl der Zielteilnehmer - ohne größeres Budget - erhöhen kann.  

Herzlichen Dank!