Donnerschlag für die Veranstaltungswirtschaft

Wir haben bei Eventmanager Benjamin Sternberg nachgefragt, wie sich die Branche nach der Krise verändern sollte und welche Tipps er dem Nachwuchs gibt.

Innerhalb weniger Wochen wurden alle Gewerke der Veranstaltungswirtschaft ausgebremst. Benjamin Sternberg, Eventmanager, A1 Digital Deutschland GmbH, verrät in diesem Interview, warum Weiterbildung der Schlüssel für Karriere ist, der Nachwuchs zu Fehlern stehen und was sich nach Corona ändern sollte.

Corona bestimmt derzeit alles, deshalb die erste Frage zu Ihrer aktuellen Situation: Wie hat die Corona-Krise bislang Ihr Berufsleben verändert? Und wie gehen Sie damit um? 

Die Corona-Krise kam wie ein Donnerschlag für die Veranstaltungswirtschaft. Innerhalb weniger Wochen wurden alle Gewerke auf 0 ausgebremst. So gut wie keine geplanten Events konnten so stattfinden, wie sie mit monatelangem Aufwand ursprünglich geplant waren. Damit hat sich auch mein privates und berufliches Leben schlagartig um 180 Grad gedreht. 

In meinen Verantwortungsbereich fallen alle Veranstaltungen, wie z.B. Messen und Konferenzen, bei denen wir als Digitalisierungsanbieter unser Portfolio präsentieren und neue Geschäftsbeziehungen anbahnen können. Mit dem rasanten Wegfall der physischen Veranstaltungen entstanden wesentliche Ziele: Budgetausfälle minimieren und gleichzeitig langjährige Geschäftsbeziehungen erhalten und Gegenmaßnahmen entwickeln, um die Lead-Ausfälle zu kompensieren und um damit weiter mit bestehenden, aber auch potentiellen Kunden  in Kontakt zu bleiben. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch mehr Arbeit, Stress und natürlich auch die Ungewissheit, wie sich die Situation von Tag zu Tag ändern wird. Man wurde regelrecht zum Krisenmanager ernannt. 

Und persönlich? 

Persönlich hat sich relativ schnell meine Alltagsroutine durch das Home-Office verändert: Um körperlich fit und - fast noch wichtiger - mental gesund durch diese Zeit zu kommen, habe ich beispielsweise meine Lauf-Einheiten erhöht und angefangen, morgens zu meditieren und abends ausschließlich selbst zu kochen.  

Ihre Laufbahn als Eventmanager begann mit einer Ausbildung zum Diplom Eventmanager beim Studieninstitut. Warum haben Sie sich damals für diesen Berufsweg entschieden? 

Nach meinen ersten Schritten bei Veranstaltungen - kleinere Musik-Veranstaltungen und die berühmt berüchtigten Schulfeiern - war für mich klar, dass ich weiterhin Teil der Veranstaltungsbranche sein möchte. Mit der Mattfeldt & Sänger Messe AG habe ich eine Firma gefunden, die verschiedene Messen im Bereich Umwelt & Leben und Immobilien umsetzt und ein sehr gutes Ausbildungsprogramm anbot. Ich konnte mich entscheiden, ob ich entweder den Weg über die Berufsschule oder über ein Fernstudium zum Diplom Eventmanager einschlagen möchte. Der Unterschied: Blockunterricht vs. eigenständiges Lernen mit zusätzlichen Wochenend-Seminaren in München unter der Leitung erfahrener Referenten aus Münchner Agenturen. Die Entscheidung zum Fernstudium fiel mir sehr leicht, da mir klar war, dass Erfahrung und Praxiswissen, das man auch am nächsten Tag direkt anwenden kann, für mich der ideale Weg ist. Rückblickend war das nicht der einfachste und komfortabelste Weg, aber der richtige.  

Was ist heute Ihr beruflicher Schwerpunkt als Eventmanager? 

Heute verantworte ich den Event-Bereich der A1 Digital Deutschland GmbH. Dabei umfasst mein Aufgabenbereich alle Event-Bestandteile von Jahresplanung, Budgetierung, Konzeption über Detail-Planung, Organisation, Abwicklung bis hin zur Nachbereitung und Erfolgsmessung aller externen Veranstaltungen im B2B-Bereich mit dem Zukunft-Thema: Digitalisierung. Die Aufgaben sind spannend, abwechslungsreich, aber auch herausfordernd, da man mit allen Bereichen - intern wie extern - zusammenarbeitet, um Erfolg zu haben.  

Welche Bedeutung hat berufliche Weiterbildung für Sie persönlich und was hat Sie Ihnen bislang gebracht? 

Berufliche Weiterbildung hat für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert, da sich die Arbeitswelt bekanntlich rasend schnell weiterentwickelt und verändert. Anfangs war mein Ziel, das Grund-Handwerk zu lernen, dass ich dann nach meinem Diplom Eventmanager mit dem Veranstaltungsfachwirt erweitert und abgeschlossen haben. Ab diesem Punkt war und ist mein Ziel, meine Arbeitstechniken (z.B. mit agilen Arbeitsweisen) und Spezialisierungen (z.B mit Intensiv-Seminaren) breiter aufzustellen. Damit konnte ich mir berufliche Fähigkeiten aneignen, die mir das Arbeiten vereinfacht haben und zu besseren Ergebnissen führen.  

Welche Tipps können Sie dem Berufsnachwuchs vor dem Hintergrund Ihrer bisherigen Karriere geben? Wie sollte der Nachwuchs heute vorgehen, um den Einstieg zu schaffen und die eigene Karriere voranzutreiben? 

Man muss sich im Klaren sein, dass man im Eventmanagement Durchhaltevermögen braucht und der Job viel Verantwortung mit sich bringt. Praktika empfehle ich daher als ersten Schritt zur Orientierung und ob der Job einem Spaß macht. 

Meine wichtigsten Tipps für den Event-Nachwuchs: Seid neugierig und traut euch auch mal, Fehler zu machen. Versucht von Anfang an, möglichst strukturiert und vorausschauend zu arbeiten und aus euren Fehlern zu lernen. Setzt euch ambitionierte Ziele, die aber trotzdem realistisch sind. Tauscht euch aus und lernt von anderen. 

Zu Beginn, aber auch schon als erfahrener Event-Manager, kann es sehr hilfreich sein, einen Mentor oder eine Mentorin an der Seite zu haben. Einen Mentor oder eine Mentorin zu finden, der oder die gut zu einem selbst passt und einen wirklich weiterbringt, ist allerdings keine leichte Aufgabe. 

Viele Wirtschaftsexperten malen schwarz für die Zeit nach Corona: Wie sehen Sie die Zukunft der Eventbranche? Was wird sich ändern, was muss sich ändern, wenn alles wieder normal läuft? 

Die Eventbranche wird zurzeit sehr hart getroffen. Allerdings sehe ich auch große Chancen in der Event Technology, wie z.B. für Event Apps, Augmented Reality und virtuelle Veranstaltungen. Diese digitalen Event-Erweiterungen, deren signifikanter Impact erst in den nächsten Jahren erwartet wurde, hat jetzt ihren Moment für eine schnelle und rasche Entwicklung. Deshalb bin ich mir sicher, dass nichts mehr so sein wird wie vorher, sondern es viele zusätzliche Potentiale und Möglichkeiten geben wird, als es vor der Krise der Fall war. Sobald physische Events wieder möglich sind, werden die digitalen Teile stärker in den physischen Teil integriert werden können. Damit werden sich neue Märkte ergeben und neue Möglichkeiten, mit Kunden zu interagieren, geschaffen.

Was werden die bestimmenden Themen sein, mit der sich dann die Eventbranche beschäftigen wird? 

Zuerst wird sich die Event-Industrie von den dramatischen wirtschaftlichen Schäden erholen müssen, die bei Dienstleitstern, Veranstaltern und Partnern entstanden sind. Das wird Zeit in Anspruch nehmen und nicht ohne Weiteres, wie z.B. staatliche Hilfen, funktionieren. Abgesehen davon wird sich die Eventbranche mit digitalen Lösungen beschäftigen, die als einzige Option während der Corona Krise übriggeblieben sind. Der menschliche Faktor bleibt bei Veranstaltungen sicherlich unverändert wichtig, aber das Kunden- oder Teilnehmererlebnis wird sich damit verändern und muss entsprechend mitberücksichtigt werden.