Wenn der Cyberangriff zur Kommunikationskrise wird
Experte Steffen Fritzsche spricht bei der NRW Sicherheitskonferenz über die ersten Stunden nach einem Angriff – und warum Kommunikation im Krisenfall nicht erst nach der technischen Analyse beginnen darf.

Cyberangriffe treffen Organisationen nicht nur technisch. Während IT-Teams Systeme analysieren, abschotten und wiederherstellen, entsteht parallel bereits die öffentliche Wahrnehmung des Vorfalls: bei Mitarbeitenden, Kunden, Behörden und Medien. Genau hier entscheidet sich, ob aus einem Angriff eine Krise wird.
Bei der NRW Sicherheitskonferenz am 30. November 2026 im Borussia-Park Mönchengladbach spricht Steffen Fritzsche in seinem Vortrag „Der Angriff ist technisch, die Krise ist kommunikativ“ über die besondere Dynamik der ersten Stunden nach einem Cyberangriff – und darüber, warum Kommunikation im Krisenfall nicht erst am Ende der technischen Analyse beginnen darf.
3 Fragen an Steffen Fritzsche
Ihr Vortrag trägt den Titel „Der Angriff ist technisch, die Krise ist kommunikativ“. Warum wird die kommunikative Dimension eines Cyberangriffs noch immer unterschätzt?
„Weil Organisationen sich auf das vorbereiten, was sie messen können. Für die technische Seite gibt es Playbooks, Tools und Übungen – für die kommunikative meist eine Telefonliste. Dazu kommt ein psychologischer Effekt: Solange im Maschinenraum gearbeitet wird, fühlt sich das nach Kontrolle an. Draußen aber wird zur selben Zeit die Erzählung über den Vorfall geschrieben – von Mitarbeitenden, Kunden, Aufsichtsbehörden, Medien. Und wer diese Erzählung nicht mitgestaltet, bekommt sie später präsentiert. Ein Angriff ist ein technisches Ereignis. Ob daraus eine Krise wird, entscheidet sich fast immer außerhalb der IT.“
Was macht gerade die ersten Stunden nach einem Angriff für Entscheider:innen so besonders herausfordernd?
„Das Grunddilemma: Der Druck zu sprechen ist am höchsten, wenn das Wissen am geringsten ist. Man weiß noch nicht, was genau passiert ist, wie weit es reicht, wer betroffen ist – und muss trotzdem handlungsfähig wirken. Gleichzeitig kollidieren in diesem Zeitfenster mehrere Logiken: juristische Vorsicht, regulatorische Meldepflichten, interne Abstimmung, das Bedürfnis der Belegschaft nach Orientierung. Jede dieser Logiken ist für sich berechtigt und bremst die anderen aus. Und jede Aussage aus dieser Phase wird später an dem gemessen, was sich als wahr herausstellt. Wer hier improvisiert, zahlt lange dafür.“
Woran zeigt sich, ob eine Organisation kommunikativ wirklich auf einen Krisenfall vorbereitet ist?
„Nicht am Vorhandensein eines Krisenhandbuchs, das haben fast alle. Der ehrlichere Indikator ist die Frage: Wie schnell bekommt ein Haus eine belastbare erste Aussage nach draußen und wer darf sie treffen, ohne drei Ebenen zu fragen? Daran hängt fast alles. Zweiter Indikator: Sitzt Kommunikation im Krisenstab mit am Tisch oder erfährt sie erst hinterher, was beschlossen wurde? Und drittens: Wurde der Ernstfall je geübt oder nur beschrieben? Vorbereitung zeigt sich nicht im Dokument, sondern in der Reaktionszeit. Genau darüber möchte ich am 30. November in Mönchengladbach sprechen.“
Die NRW Sicherheitskonferenz bringt am 30. November 2026 im Borussia-Park Mönchengladbach Entscheider:innen und Fachverantwortliche aus KRITIS, Kommunen, Behörden, Veranstaltungswirtschaft und Sicherheitsbranche zusammen. Im Mittelpunkt stehen aktuelle Herausforderungen rund um Cybersecurity, kritische Infrastrukturen und Resilienz, neue regulatorische Anforderungen, Krisenkommunikation sowie Veranstaltungssicherheit.
Weitere Informationen zur NRW Sicherheitskonferenz, zum Programm und zu den Tickets finden Interessierte unter: www.nrw-sicherheitskonferenz.de.
