Wenn sichere Systeme zusammen verwundbar werden: Miriam Schnürer über die Risiken kritischer Infrastrukturen

Bei der NRW Sicherheitskonferenz am 30. November 2026 in Mönchengladbach spricht BSKI-Vorständin Miriam Schnürer über ein zentrales Problem moderner Sicherheitsarchitekturen.

Wenn sichere Systeme zusammen verwundbar werden: Miriam Schnürer über die Risiken kritischer Infrastrukturen

Stromversorgung, Gesundheitswesen, Verwaltung und Kommunikation sind heute stärker miteinander vernetzt denn je. Genau darin liegt nach Einschätzung von Miriam Schnürer, Vorstand des BSKI Bundesverband für den Schutz kritischer Infrastrukturen, eine der größten Herausforderungen für die Sicherheit kritischer Infrastrukturen.

Bei der NRW Sicherheitskonferenz am 30. November 2026 im Borussia-Park Mönchengladbach widmet sie sich in ihrem Vortrag „Das verwundbare Ganze – Warum gut gesicherte Systeme zusammen ungesichert sind“ den Risiken, die nicht innerhalb einzelner Systeme, sondern an ihren Übergängen entstehen. „Die Schwachstelle liegt dazwischen: in der Kopplung, in den Abhängigkeiten, an den Stellen, für die sich niemand allein zuständig fühlt“, erklärt Miriam Schnürer. Ein Stromversorger sichere sein Netz, eine Klinik ihre IT und eine Verwaltung ihre Fachverfahren. Kritisch werde es dort, wo ein Ausfall von einem System auf das nächste übergreife. „Wir denken Sicherheit noch zu sehr in einzelnen Bausteinen. Verwundbar wird das Ganze genau dort, wo die Bausteine sich berühren.“

Besonders deutlich werden diese Abhängigkeiten im Gesundheitswesen. Kliniken und andere Einrichtungen müssen für Menschen zugänglich bleiben und können sich gleichzeitig nicht vollständig abschotten. „Ein Krankenhaus steht nie für sich. Es hängt am Strom, an der Kommunikation, an Lieferketten. Fällt ein Baustein, wandert der Schaden weiter – auch wenn die Klinik selbst alles richtig gemacht hat“, so Miriam Schnürer. Damit rückt neben der Absicherung einzelner Organisationen zunehmend die Frage in den Mittelpunkt, wie widerstandsfähig das Gesamtsystem im Krisenfall tatsächlich ist. Genau diese übergreifende Perspektive gehört zu den zentralen Themen der NRW Sicherheitskonferenz.

Für Miriam Schnürer gehört zu einer umfassenden Sicherheitsstrategie auch die Frage, aus welchen Perspektiven Risiken betrachtet werden. Sie engagiert sich unter anderem für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Bereich Cybersecurity und kritischer Infrastrukturen. Viele Bereiche, aus denen sich das KRITIS-Umfeld traditionell speist, seien männlich geprägt. Dabei sind unterschiedliche Sichtweisen gerade bei Sicherheits- und Resilienzfragen entscheidend. „Frauen tun sich – so pauschal das klingt – oft leichter damit, Verwundbarkeit und Unsicherheit offen zu benennen“, sagt Miriam Schnürer. „Wer ein System nur aus einer Richtung betrachtet, übersieht die Schwachstellen. Unterschiedliche Perspektiven erkennen unterschiedliche Angriffsflächen. Vielfalt ist hier kein Sozialthema, sondern eine Frage der Widerstandsfähigkeit.“

Aus ihrer Sicht braucht es deshalb auch neue Formate, die mehr Offenheit im Umgang mit Unsicherheit und Verwundbarkeit zulassen. Denn nur wer Schwachstellen benennen könne, sei auch in der Lage, Systeme gezielt widerstandsfähiger zu machen.

Die NRW Sicherheitskonferenz bringt am 30. November 2026 im Borussia-Park Mönchengladbach Entscheider:innen und Fachverantwortliche aus KRITIS, Kommunen, Behörden, Veranstaltungswirtschaft und Sicherheitsbranche zusammen.

Im Mittelpunkt stehen aktuelle Herausforderungen rund um Cybersecurity, kritische Infrastrukturen und Resilienz, neue regulatorische Anforderungen, Krisenkommunikation sowie Veranstaltungssicherheit. Neben fachlichen Vorträgen bietet die Konferenz Raum für Austausch, konkrete Lösungsansätze und die Vernetzung unterschiedlicher Akteure aus dem Sicherheitsumfeld. Veranstaltet wird die NRW Sicherheitskonferenz vom Studieninstitut für Kommunikation in Kooperation mit dem BSKI – Bundesverband für den Schutz Kritischer Infrastrukturen e. V.

Das vollständige Programm sowie weitere Informationen zu Speaker:innen, Tickets und Beteiligungsmöglichkeiten finden Interessierte auf der Website: https://www.nrw-sicherheitskonferenz.de/