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30.03.2017
Sicherheit bei Events: In Deutschland muss dafür noch viel mehr getan werden, meint Sicherheitsexperte Olaf Jastrob

Sicherheit bei Events in Deutschland: Experte Olaf Jastrob beklagt Wissenslücken

Sicherheit bei Veranstaltungen: Auch in Deutschland müsste dafür viel mehr getan werden. Meint Sicherheitsexperte Olaf Jastrob und fordert mehr Schulungen.

Sicherheits-Auflagen für Veranstaltungen sind in Deutschland vom Gesetzgeber klar geregelt. Das reicht doch aus, oder? Nein, meint der Sicherheitsexperte Olaf Jastrob. Ohne entsprechende Schulungen sei es nahezu unmöglich, alle Verantwortungen und Pflichten im Blick zu haben und entsprechend zu handeln. Viele Veranstalter auch kleiner Events unterschätzten oft ihre Verantwortung und die Dimensionen möglicher Gefahrenherde. Sie sollten ihr Wissen deshalb regelmäßig auffrischen und erweitern. Und das nicht nur einmal in zehn Jahren.
Olaf Jastrob ist Fachplaner für Veranstaltungs- und Besuchersicherheit sowie Fachberater für Arbeits- und Gesundheitsschutz. Seine technische Unternehmensberatung Jastrob Ltd. & Co. KG ist in Geilenkirchen beheimatet. Eine weitere Beratung gibt es in Birmingham (GB). Das Studieninstitut wollte vom Experten wissen: Warum ist Weiterbildung hier so wichtig und was bringt sie? Sind die Event-Verantwortlichen in Unternehmen, Behörden, Vereinen, Bildungseinrichtungen und Kulturstätten ausreichend geschult?

Studieninstitut: „Herr Jastrob, inwieweit ist regelmäßige Weiterbildung für die Sicherheit bei Veranstaltungen/ Events wichtig, und wenn ja, inwiefern?“
Olaf Jastrob: „Ein fundiertes Wissen über die Grundbausteine der Veranstaltungs- und Besuchersicherheit ist zunächst einmal Voraussetzung für deren praktische Umsetzung. Da jedoch keine Veranstaltung gleich ist und sich die sicherheitsspezifischen Rahmenbedingungen stetig ändern, sollte man - als verantwortlicher Veranstalter, Veranstaltungsleiter oder Betreiber - sein Wissen regelmäßig auffrischen und erweitern. Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen uns beispielsweise, dass man heutzutage mit anderen Risiken rechnen muss, als noch vor zehn Jahren. Regelmäßige Weiterbildungen frischen also nicht nur unser Grundwissen auf, sondern ermöglichen uns auch einen Erfahrungsaustausch mit Branchenkollegen hinsichtlich aktueller Herausforderungen und Lösungsansätze.“

Studieninstitut: „Für welches Berufsumfeld – über das Eventmanagement hinaus - ist Fachwissen in punkto Veranstaltungssicherheit wichtig und muss dringend geschult werden?"
Jastrob: „Im Prinzip werden in jedem Unternehmen und Verein, in jeder Bildungseinrichtung und Kulturstätte, etc. mehr oder weniger regelmäßig Veranstaltungen organisiert, seien es Jubiläen, Weihnachtsfeiern oder Tage der offenen Tür. Als Veranstalter und/oder Betreiber der Location sollte man sich jedoch grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass man auch bei geringer Veranstaltungsgröße für die Sicherheit aller Beteiligten (mit-)verantwortlich ist.“

Studieninstitut: „Wo liegen die größten Versäumnisse privater Veranstalter? Zum Beispiel bei Veranstaltungen von Städten oder Sportvereinen? Hier werden solche Veranstaltungen ja auch fast „nebenbei“ organisiert …“
Jastrob: „Ohne entsprechende Schulung (wie etwa Zertifizierte unterwiesene Person - Veranstaltungsleitung oder Sachkundige Aufsichtsperson – Technik und Aufsicht) ist es nahezu unmöglich, alle Verantwortungen und Pflichten im Blick zu haben und dementsprechend zu handeln. Schulungsbedarf sehe ich erfahrungsgemäß unter anderem bei Mitarbeiter/innen von öffentlichen Einrichtungen, Hotels, Discotheken, Theatern, Freilicht- und Kleinkunstbühnen, Kulturämtern und Vereinen, Schulverwaltungen, Marketing-, Event- und Kommunikationsabteilungen von Unternehmen sowie bei allen anderen Veranstaltungs-Mitarbeiter/innen mit aufsichtführenden Aufgaben, die keine entsprechende Ausbildung genossen haben.“

Studieninstitut: „Wie kann die zunehmende Digitalisierung Sicherheitsfachleuten bei ihrer Arbeit helfen? Gibt es schon sinnvolle tools oder features, die hier weiterhelfen?“
Jastrob: „Sicherlich erleichtert uns die Digitalisierung die Erfassung, Überprüfung und Überarbeitung von sicherheitsrelevanten Dokumenten in der Veranstaltungsbranche. Auch geltende Vorschriften und Regelwerke sind jederzeit im Internet abrufbar, sodass die Standardausrede „das habe ich nicht gewusst“ schon längst der Vergangenheit angehören sollte. Zusätzlich erleichtern uns das Internet bzw. die verschiedenen sozialen Medien den Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen Experten. Plattformen wie Xing, LinkedIn und auch Facebook fördern meiner Erfahrung nach die Zusammenarbeit in der Branche. Auch sehe ich einen großen Vorteil in der Option, heutzutage zusätzlich zu „normalen“ Seminaren auch Webinare zum Thema Veranstaltungs- und Besuchersicherheit organisieren zu können. Auch die „immer-beschäftige“ Führungskraft erhält damit nämlich die Möglichkeit, sich gesetzlich vorgeschriebenes Wissen für die Organisation von Veranstaltungen anzueignen.“

Studieninstitut: „Inwieweit bringt Ihr Fachseminar auch Nicht-Vollzeit-Organisatoren hier wertvolle Hilfe?"
Jastrob: „In unseren Seminaren Sachkundige Aufsichtsperson (Technik und Aufsicht) und Zertifizierte unterwiesene Person (Veranstaltungsleitung) zeigen wir beispielsweise, wo relevante Vorschriften und Regelwerke zu finden sind und wie auch „Laien“ - das heißt Personen, die sich nicht hauptberuflich mit dieser Arbeit beschäftigen - Verantwortungen und Pflichten zeiteffizient und rechtskonform delegieren sowie Sicherheitsunterweisungen bzw. weitere Maßnahmen dokumentieren können. Um die Relevanz dieser Fähigkeiten zu unterstreichen, vergleiche ich Veranstaltungsorganisationen gerne mit Autofahren: Denn auch bei einem PKW-Führerschein ist es vollkommen unerheblich, ob das Auto privat, beruflich oder ehrenamtlich gefahren wird, ob einmalig, regelmäßig oder ob das Fahrzeug nur ganz kurz bewegt wird. Die Sicherheit und die Einhaltung der Vorschriften müssen immer gewährleistet werden. Bei Veranstaltungen ist es im übertragenen Sinne ähnlich. Zusätzlich dienen unsere Seminare natürlich auch als Plattform für Vernetzungen und Erfahrungsaustausch. Jeder, der an unseren offenen Seminaren teilnimmt, hat am Ende der Veranstaltung fünf bis 20 neue Kontakte geknüpft, die ihm bei der weiteren Ausübung seiner Tätigkeit von Nutzen sein können.“

Die Fragen stellte Petra Zimmermann, Pressestelle, Studieninstitut für Kommunikation GmbH.

Kontakt:
Technische Unternehmensberatung Jastrob Ltd. & Co.KG /Blumenstraße 31 / 52511 Geilenkirchen / Tel.: 02451-9132070 Fax: 02451-9132072 Mail: service@jastrob.de
www.jastrob.com/

Bildquelle: Olaf Jastrob

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