Menu
09.12.2016

Wandel der Eventbranche erfordert flexible Professionals mit neuen Skills.

Der ideale Mitarbeiter: Ideengeber, Kaufmann, Logistiker, Konfliktmanager und Entertainer zugleich.

Chefs der Eventbranche setzen sich täglich mit den Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter auseinander. Sie wissen, was sie von ihrem Team fordern können – und welche Fähigkeiten potenzielle Mitarbeiter mitbringen müssen: wie sieht er also aus, der ideale Mitarbeiter, oder gibt es ihn gar nicht..?
Sabrina Musenbrock, Head of HR, VOK DAMS Agentur für Events und Live-Marketing, weiß jedenfalls schon, was Chefs sich von ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen wünschen.
Studieninstitut: „Frau Musenbrock, wie sieht er denn heutzutage aus, der ideale Mitarbeiter. Und was muss er können?“
Sabrina Musenbrock: „Hängt in erster Linie von der Position ab. Die entsprechenden Anforderungen sind grundsätzlich von der ausgeschriebenen Stelle abhängig. Generell gilt z.B. für einen Eventmanager (m/w): Der ideale EM verfügt über möglichst viel Berufspraxis, idealerweise auf internationaler Ebene. Er bringt fachspezifisches Know-how in den geforderten Bereichen mit und kennt sich in der Branche aus. Fließende Englischkenntnisse sind ein ,Must-have‘.
Neben den Fachkenntnissen sind auch soziale, methodische und emotionale Kompetenzen gefragt. Heißt: Er/sie verfügt über eine persönliche Reife mit guten Umgangsformen und besitzt auf emotionaler Ebene Teamfähigkeit, Erfahrung in der Kundenbetreuung sowie im Konfliktmanagement. Grundsätzlich verfügt der erfolgreiche EM über viel Empathie und hat ein starkes Nervenkostüm. Auch hat er das Potential sich auf Veränderungsprozesse einzustellen und kann sich im Rahmen seiner methodischen Skills sehr gut priorisieren. Ein guter EM ist Ideengeber, Kaufmann, Logistiker, Konfliktmanager und Entertainer zugleich.“

Q: „Wie sollte bestenfalls die Gestaltung des Mitarbeiterprofils aussehen? Worauf achten Personalverantwortliche? Womit kann man inhaltlich punkten?“
A. „Der Lebenslauf sollte rein optisch, klassisch strukturiert sein. Bitte hier keine Kreativität walten lassen.
Der Personaler sollte auf dem ersten Blick erkennen können, welche Tätigkeiten im Rahmen der Position bei den bisherigen Arbeitgebern im Wesentlichen ausgeübt worden sind.
Ehemalige Arbeitgeber sollten sinnvollerweise auch im Lebenslauf stichpunktartig hinsichtlich der Unternehmensgröße, MA-Zahl sowie zu den Produkten/Diensten beschrieben werden, vor allem bei Unternehmen/Agenturen, dessen Tätigkeitsschwerpunkte unbekannt sind. Bestenfalls gibt es keine Lücken zwischen den einzelnen Berufsstationen. Viele Wechsel im Rahmen von Festanstellungen, innerhalb eines kurzen Zeitraums, sind nicht gerne gesehen. Es sollte eine kontinuierliche Weiterentwicklung zu erkennen sein.
Berufseinsteiger können mit langfristigen Praktika (min. 6 Monate) punkten. Idealerweise sind die praktischen Erfahrungen in Unternehmen gesammelt worden, die im direkten Bezug zu dem späteren Beruf stehen. Duale Ausbildungen, in denen Praxis und Theorie vermittelt werden, verschaffen im Eventmanagement einen großen Vorsprung gegenüber Bewerbern, die nur rein theoretisches Wissen mitbringen. Ein längerer Auslandsaufenthalt und damit fließende Fremdsprachenkenntnisse sind ebenfalls ein deutlicher Pluspunkt.“

Q: „Gesucht werden USP-Merkmale. Welche besonderen Merkmale suchen Unternehmen, um ihre Ziele mit den bestmöglichen Mitarbeitern zu erreichen?“
A: „Wir suchen agile Mitarbeiter. Und wünschen uns Individualität und Diversität, kontinuierliche Weiterentwicklungs-Bereitschaft, extrem schnelle Reaktionsfähigkeit, proaktives Denken in Zukunftsbildern, Selbstorganisation im Team, Offenheit für neue Ideen und Methoden, Eigenverantwortlichkeit, schnelle Entscheidungsfähigkeit + Umsetzung, und die Fähigkeit, aus Fehlern nachhaltig zu lernen.“

Q: „Was sind neue Anforderungen an Mitarbeiter im Zuge der Digitalisierung? Wie wirkt sich das auf den jeweiligen Arbeitsplatz aus? Ist das auch für den Kunden spürbar?“
A: „Die Anforderungen an Mitarbeiter sind von den grundlegenden Kompetenzen natürlich gleich geblieben. Soziale, fachliche, methodische und vor allem emotionale Kompetenz bleiben das A und O in der Branche. Neu ist die Umstellung der Arbeitsweise, die zunehmend auch in Agenturen Einzug halten wird – agiles Projektmanagement.
Agiles Projektmanagement basiert auf einem Höchstmaß an Flexibilität, die bereits zu Beginn eines Projektes in den Prozess integriert wird. Damit ist agiles Projektmanagement auch eine Antwort auf sich verändernde Rahmenbedingungen im Event- und Live-Marketing. Diese Rahmenbedingungen sind definiert durch die Begriffe: kürzere Zeiten, kleinere Budgets, höhere Komplexität, individuellere Ansprache der Kunden. Vor allem die Methode Scrum hat sich im agilen Projektmanagement durchgesetzt. Basis ist ein interdisziplinär arbeitendes Team von eigenverantwortlich arbeiteten Mitarbeitern. Ein Scrum-Master achtet darauf, dass die Prozessregeln eingehalten werden und ist gleichzeitig Ansprechpartner für das Team, falls Schwierigkeiten auftreten. Für die Agenturen sorgt agiles Projektmanagement mit seiner Methode der aktiven Verantwortung im Team für eine stärkere Motivation der Mitarbeiter und der Vermeidung von Stress, der bisher durch veränderte Situationen entstanden ist. Engagement und Motivation bei den involvierten Mitarbeitern steigen, mehr Selbstverantwortung in den Teams, noch höhere Ergebnissicherheit, Erhöhung der Geschwindigkeit und Flexibilität und damit insgesamt höhere Effektivität. Agiles Projektmanagement ist eindeutig der Weg für das Projektmanagement der Zukunft."

Q: „Wie können Mitarbeiter sich hier am besten auf dem Laufenden halten, um nicht den digitalen Anschluss und neue Entwicklungen zu verpassen? Sollte hier der Arbeitgeber Weiterbildung anbieten oder sollte sich jeder Mitarbeiter individuell weiterbilden?“
A: „Es wird in Zukunft sogar extrem wichtig sein, sich hier permanent weiterzubilden. Eine persönliche Weiterbildung der Mitarbeiter macht letztendlich den entscheidenden Unterschied aus, was die eigene Karriere betrifft. Nun gibt es auf der einen Seiten Autodidakten auf der anderen Seite Mitarbeiter, die besser durch eine gesteuerte Schulung weiterkommen.
Arbeitgeber müssen hier Freiräume schaffen, damit eine permanente Weiterbildung gewährleistet ist. Dies betrifft zum einen Zeit zum anderen Geld. Sicher eine kluge Investition. Das Studieninstitut zeigt, dass die Aufnahme der digitalen Thematik ins Curriculum sehr positiv aufgenommen wird.“
------
Diese Freiräume bietet Göran Göhring, Geschäftsführender Partner STAGG & FRIENDS GMBH, seinen Mitarbeitern schon. Er beantwortet uns, welche Skills sich in der zunehmend wandelnden Eventbranche gefragt sind und bleiben.
Studieninstitut: „Herr Göhring, welche USPs erregen die Aufmerksamkeit eines Chefs? Gibt es den idealen Mitarbeiter überhaupt?“
Göran Göhring: „Es geht nicht um den idealen Mitarbeiter, sondern Menschen, die optimal für das Team, für die zu besetzende Stelle oder passgenau zum Kunden (jeder Kunde ist anders) ausgewählt werden. Es geht also um die Frage: Welcher Typ Mensch sitzt da und welche Basis bringt er mit? Teamplayer sind vielfach wichtiger als virtuose Einzelkönner, denn Events werden immer von interdisziplinären Teams konzipiert und umgesetzt. Zielgerichtetes Recruiting ist entscheidend.
Denn der Eventbereich hat sich in den letzten Jahren sehr unterschiedlich in verschiedene Richtungen entwickelt. Es gibt Agenturen für ausschließlich logistisch-organisatorische Themen, inhaltlich arbeitende Live-Kommunikationsagenturen - wie wir es sind - und Event-Service-Agenturen. Inhaltlich getriebene Agenturen beschäftigen sich sehr stark mit Kommunikationsaufgaben, wie z. B. Training oder Management-Konferenzen. Für das eine braucht man z.B. didaktisches Know-how, für das andere mehr strategisch-betriebswirtschaftliche Grundlagen. Das organisatorisch-logistische Know-how setzen unsere Kunden hier voraus. Es geht also um eine sehr stark inhaltliche Arbeitsweise, deshalb holen wir vermehrt junge Leute ins Team, die wir bedarfsorientiert inhaltlich aus- und weiterbilden. Hierbei bekommen Sie bei uns in der Agentur sehr früh Verantwortung für eigenverantwortliche Themen, an der sie wachsen können.“

Q: „Was sind neue Anforderungen an Mitarbeiter im Zuge der Digitalisierung? Wie wirkt sich das auf den jeweiligen Arbeitsplatz aus? Ist das auch für den Kunden spürbar?“
A: „Digitalisierungs-Know-how per se nützt nicht viel. Wichtig ist, wie man mit seinem digitalen Wissen Nutzen für den Kunden oder prozessgetriebene Themen für die Agentur erbringen kann. Generell nützt es uns also nur, wenn der Kunde davon etwas hat. Nur Facebook-Posts schreiben zu können, reicht nicht aus. Digital-Know-how für eine PR-Agentur oder Klassikagentur ist oftmals etwas anderes als für eine Live-Kommunikationsagentur, da in den Kommunikationsdisziplinen die Anforderungen sehr unterschiedlich sind. In der Live-Kommunikation geht es darum, welche digitalen Elemente passen zur Veranstaltung und wo findet man digitale Innovationen, die wirklich Nutzen schaffen.“

Q: „Wie können Mitarbeiter sich hier am besten auf dem Laufenden halten, um nicht den digitalen Anschluss und neue Entwicklungen zu verpassen?“
A: „Erstens: Fachzeitschriften lesen. Hier sehe ich nicht nur Eventfachzeitschriften, sondern insbesondere die Marketing- oder Wirtschaftsfachpresse. Zweitens: Tagesaktuelle Wirtschaftsthemen verfolgen. Ich persönlich lese seit mehr als 20 Jahren die FAZ. Dieses Allgemeinwissen hilft mir, mich schnell in Unternehmensthemen einzuarbeiten. Den Kunden kann man nur auf Augenhöhe beraten, wenn man weiß, über welche Themen die Marke oder das Unternehmen kommuniziert.
Generell gilt heute: Man muss über den Tellerrand schauen, über Grenzen hinaus denken können. Es geht auch um die Vernetzung innerhalb der Kommunikation. Die drei zukünftigen Elemente der Kommunikation sind für mich Klassik-, Digital- und Live-Kommunikation. Deshalb sind wir Mitglied im GWA, dem Verband Deutschlands führender Agenturen und bringen hieraus wichtige Impulse in unsere Agentur. Was beschäftigt andere Kommunikationsagenturen? Was sind zurzeit relevante Themen? Wie sieht das Geschäftsmodell aus?
Zusätzlich ist lebenslanges Lernen nicht nur ein schönes Wort, sondern Pflicht für jeden – ob 20 oder 55 Jahre alt.“

Q: „Um neue digitale Entwicklungen anzustoßen oder hier neue Wege zu gehen, müssen Mitarbeiter über Grenzen hinaus denken können…wie fördern Sie als Chef das kreative Nachdenken ihrer Mitarbeiter?“
A: „Jeder kann mit seinen Wünschen bezüglich Weiterbildung zu unserem HR-Management kommen. Wir haben hierfür ein separates Weiterbildungs-Budget eingerichtet. Gleichzeitig bietet unsere STAGGacademy regelmäßig Vorträge interner und externer Referenten an, mit vielfältigen Themen rund um Kommunikation und Eventmanagement, wie z. B. über Projektmanagement von Filmproduktionen oder auch ein Weinseminar. Intern schauen wir regelmäßig, auf das, was wir eigentlich tun: Was haben wir wann für welche Kunden Innovatives konzipiert?
Für das kreative Nachdenken haben wir u.a. ein Silent Office, in das man sich zurückziehen, aber auch recherchieren kann. Auch unsere Brainstorming-Kultur wird gut gelebt und hilft uns, kreative Ideen und Lösungen zum Nutzen unserer Kunden zu finden.“

Das Gespräch führte Petra Zimmermann.

Wer mehr über die neuen Anforderungen in der Eventbranche erfahren will, hat am zweiten BOE-Messetag Gelegenheit dazu: In der Talk-Runde Career Workout im Zuge des Fachforums CAREER HUB des Studieninstituts kommen Vertreter großer und führender Eventagenturen zu Wort und berichten aus ihrer Praxis.
11:50 Uhr bis 12:50 Uhr
Talk-Runde: Career Workout. Diese Diskussionsrunde greift das Thema Professionalisierung der Branche auf: Welche Skills werden gesucht? Was verändert sich aktuell? Welche Dienstleistungen werden in der Branche schon rein digital angeboten und wie kommt das bei den Kunden an? Was können USPs von Mitarbeitern sein? Was sind neue Anforderungen im Zuge der Digitalisierung?
Es diskutieren mit uns: Bettina Dombrowski, Personalleiterin, Holtmann Messe + Event// Martin Stemerdink, CEO, Party Rent Group// Sabrina Musenbrock, Head of HR, VOK DAMS Agentur für Events und Live-Marketing// Andreas Weber, Geschäftsführer, expopartner GmbH// Alexandra Apenberg, Head of HR Issue Management, METRO AG// Göran Göhring, Geschäftsführender Partner, Stagg & Friends GmbH//
Wo: Halle 7, Stand 7. A12

Bildquellen: Sabrina Musenbrock, Head of HR, VOK DAMS Agentur und Göran Göhring, Geschäftsführender Partner, Stagg & Friends

In den News suchen:

2017

Newsletter: